Koch Mika

Ab Mai kocht der Franzose

Er kehrt Mallorca den Rücken und will ab Mai im Kranhaus in Wittenberge am Herd stehen: Michael Drouin. Der gebürtige Franzose übernimmt ein weit über die Region hinaus bekanntes Restaurant und tritt die Nachfolge von Knut Diete an. „Ich freue mich auf diese Herausforderung“, sagt der 42-Jährige.

Seit dieser Woche lebt er in Wittenberge, bereitet im Kranhaus die Neueröffnung vor. Läuft alles nach Plan, will er ab Mai Gäste mit seiner Küche verzaubern. Michael Drouin verspricht eine hochwertige Küche. „Sie wird leicht und modern sein, traditionelle Gerichte werde ich neu interpretieren.“ Internationales findet der Gast auf der Karte genauso wie regionale Klassiker. „Nur das meine Matjes nach Hausfrauenart einen anderen Pfiff haben werden.“

Die ihm vorauseilenden Gerüchte, dass das renommierte Restaurant ein Bistro werden soll, seien richtig. Allerdings würde Bistro häufig mit Imbiss verwechselt und das werde es gewiss nicht. „Bei mir gibt es kein Fastfood und übrigens auch kein Schnitzel, was umliegende Häuser bereits in vielen Varianten anbieten“, sagt er.

Er setzt auf frische Küche, Tiefkühlkost sei die Ausnahme. „Und ich möchte mit den Menschen aus der Region zusammenarbeiten.“ Käse, Lamm, Gemüse – wenn es Produzenten gibt, seien sie seine potenziellen Partner.

„Konkret suche ich einen Bäcker in Wittenberge, der mir ein Kristallbrot als Hausmarke backen kann.“ Das sei eine knusprige Brotvariante wie sie in Spanien oft zu Vorspeisen gereicht wird. Auch das sei seine Philosophie: Den Gästen ein Urlaubsgefühl zu geben.

Seine international angehauchte Küche ist kein Zufall, sondern das Ergebnis seiner beruflichen Laufbahn. Aufgewachsen in der Normandie lernte er in seiner Familie kochen. Fisch, Muscheln, Austern kamen häufig auf den Tisch. „Mit zehn Jahren stand für mich fest, dass ich Koch werde.“

Da sein Vater für das Militär arbeitete, zog die Familie häufig um. In Baden Baden absolvierte Drouin an einer französischen Kochschule seine Ausbildung, in Frankreich legte er seinen Bachelor ab. Es folgten diverse Anstellungen in renommierten Häusern im In- und Ausland.

„Ich kochte unter anderem für Bundeskanzler Helmut Kohl, war in einem Vier-Sterne-Hotel in Marokko und neun Jahre in einem Bistro in Hamburg.“ Er sei mit der orientalischen und thailändischen Küche vertraut, träumt von einem Sushi-Meister. „Ja, der würde mich reizen.“

Der Kontakt in die Prignitz ist über den Wittenberger Unternehmer Christian Förster entstanden. Sie haben sich auf Mallorca kennen gelernt, im vergangen Herbst war Michael Drouin für ein paar Tage in der Prignitz, trank im Kranhaus gar einen Café. Dass er nur wenig später Pächter dieses Hauses sein würde, hätte er nicht gedacht.

Ende Dezember hatten die Eigentümer das Kranhaus überraschend geschlossen, die Mannschaft entlassen. „Ich hatte das erfahren und sofort Michael angerufen“, sagt Christian Förster. Der zauderte nicht, sondern bewarb sich zusammen mit anderen Interessenten, darunter Prignitzer Gastronomen. „Offenbar konnte ich die Gesellschafter überzeugen“, meint Michael Drouin.

Er sei sich der Herausforderung bewusst, wisse, dass sein Vorgänger Knut Diete einen exzellenten Ruf hat. Es sei ein gutes Gefühl, so ein Haus übernehmen zu dürfen.

Noch stehen einige Umbauarbeiten an, auch die Suche nach Personal hat begonnen. „Ich möchte mit einer starken und kreativen Mannschaft an den Start gehen.“